Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Unternehmen suchen händeringend nach Mitarbeitenden, diskutieren über Recruiting-Strategien und Employer Branding. Doch meiner Meinung nach liegt die viel größere Gefahr oft ganz woanders.
Die wahre Krise beginnt in dem Moment, in dem ein Unternehmen handlungsunfähig wird, weil der Geschäftsführer oder eine einzelne Führungskraft plötzlich ausfällt. Sei es durch ein Unfall, eine schwere Erkrankung, ein Burnout oder ein unerwarteter Todesfall.
Was passiert dann? Kann dein Unternehmen morgen noch arbeiten? Oder steht plötzlich alles still?
Der gefährlichste Flaschenhals bist möglicherweise du selbst. Denn viele Führungskräfte glauben, unersetzlich zu sein. In Wahrheit ist genau das eines der größten Risiken eines Unternehmens. Je mehr Wissen, Verantwortung und Entscheidungen auf einer einzelnen Person liegen, desto instabiler wird das gesamte System. Ein gesundes Unternehmen darf nicht von einer Person abhängig sein - auch nicht vom Geschäftsführer.
Leadership bedeutet nicht, unersetzlich zu werden, sondern ein System aufzubauen, das auch ohne dich funktioniert.
Was passiert, wenn die Führung plötzlich fehlt?
Der Ausfall einer Führungskraft betrifft nicht nur die Geschäftsleitung. Er zieht Kreise – zuerst intern, später auch nach außen.
1. Verwirrung erzeugt Unsicherheit
Zu Beginn herrscht Orientierungslosigkeit. Wer entscheidet jetzt? Wer trägt Verantwortung? Wer darf was?
Unklarheit führt zu Unsicherheit. Unsicherheit führt zu Misstrauen. Und genau dort beginnt ein psychologischer Mechanismus, den viele unterschätzen:
Menschen füllen Informationslücken mit Fantasie und Gerüchte entstehen. Annahmen werden zu vermeintlichen Wahrheiten und das Vertrauen in die Organisation beginnt zu bröckeln.
2. Auch Kunden und Partner bemerken die Instabilität
Irgendwann bleibt die Unsicherheit nicht mehr intern. Lieferanten warten auf Entscheidungen, Kunden erhalten keine Rückmeldung, Kooperationspartner erleben Verzögerungen. Plötzlich entstehen Fragen wie: "Läuft dort überhaupt noch alles?"
Aus Unsicherheit entsteht auch hierbei Misstrauen und Misstrauen wirkt sich direkt auf das Image des Unternehmens aus. Nicht selten beginnt schlechte Mundpropaganda lange bevor eine Krise offiziell sichtbar wird.
3. Prozesse geraten ins Stocken
Fehlende Entscheidungen wirken wie Sand im Getriebe. Es läuft nicht und geht kaputt. Freigaben fehlen, Aufgaben bleiben liegen, Projekte verzögern sich und im schlimmsten Fall können wichtige Prozesse gar nicht abgeschlossen werden.
Die Folge: Chaos, Frustration, Unzufriedenheit und sinkende Motivation. Dauert dieser Zustand länger an, folgen häufig innere Kündigungen. Nicht, weil Menschen nicht arbeiten wollen, sondern weil sie nicht mehr wissen, wofür und wie.
4. Die Krise wird teuer
Damit der Betrieb trotzdem weiterläuft, beginnen Mitarbeitende zu improvisieren. Informationen werden zusammengesucht, Vertretungen müssen sich mühsam einarbeiten, Entscheidungen dauern länger und Abstimmungen nehmen zu. Dadurch entstehen enorme zusätzliche Kosten. Nicht nur finanziell, sondern Auch Zeit, Energie und personelle Ressourcen gehen verloren.
Budget, das eigentlich für Themen wie z.B. Innovation, Wachstum oder Personalentwicklung vorgesehen war, fließt plötzlich in Schadensbegrenzung.
Wie Unternehmen sich heute bereits auf morgen vorbereiten können
Die gute Nachricht ist, dass diese Risiken sich deutlich reduzieren lassen. Jedoch bitte nicht erst im Krisenfall, sondern lange vorher.
Hierzu gebe ich Einblick in konkrete Schritte.
1. Mache dich als Leader unbrauchbar
Das klingt provokant, ist aber vermutlich die wichtigste Aufgabe moderner Führung. Denn es geht nicht um dich. Es geht um das Unternehmen. Dein Team sollte eigenständig arbeiten und Entscheidungen treffen können, ob du im Urlaub bist, im Krankenhaus liegst oder plötzlich dauerhaft ausfällst. Ein funktionierendes Unternehmen darf niemals an einer Person hängen. Nicht einmal an seinem Geschäftsführer.
2. Das Vier-Augen-Prinzip konsequent leben
Dabei geht es nicht nur um Qualitätskontrolle, sondern um Vertretbarkeit. Jedes wichtige System bzw. jeder wesentliche Prozess sollte von mindestens zwei Mitarbeitenden verstanden und umgesetzt werden können.
Ich habe in meiner Arbeit bereits mehrfach erlebt, dass genau das fehlte und dann passierte folgendes. Eine Person fällt aus und plötzlich weiß niemand mehr wie ein Prozess funktioniert, wo Informationen liegen oder welche Zugänge benötigt werden. Das ist ein enormes Risiko, das sich mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen vermeiden lässt.
3. Wissen dokumentieren
"Wer schreibt, der bleibt." dieser Satz kennt nahezu jeder Mensch. Wissen gehört ins Unternehmen und nicht ausschließlich in die Köpfe einzelner Mitarbeitender. Eine gute Dokumentation schafft Sicherheit, sie reduziert Einarbeitungszeiten und macht Organisationen unabhängig von Einzelpersonen.
4. Klare Strukturen schaffen
Organisationen und ihre Strukturen dürfen nicht kompliziert sein. Sie müssen verständlich sein.
Jeder Mitarbeitende sollte erkennen können: Wer macht was? Welche Abläufe gelten? Wie geht der nächste Schritt?
Je intuitiver Prozesse aufgebaut sind, desto schneller können sie im Vertretungsfall übernommen werden und desto stabiler bleibt das gesamte System.
Führung bedeutet, verzichtbar zu werden
Vielleicht klingt das zunächst widersprüchlich. Doch genau darin liegt die höchste Form von Leadership. Nicht überall gebraucht zu werden, sondern ein Unternehmen aufzubauen, das aus eigener Kraft funktionieren kann. Wer ausschließlich auf sein Ego hört und sich unersetzlich macht, läuft Gefahr, das eigene Unternehmen bereits zu gefährden, solange er noch da ist. Wer dagegen bereit ist, Verantwortung zu teilen, Wissen weiterzugeben und intuitiv erkennbare Strukturen zu schaffen, baut weit mehr als ein erfolgreiches Unternehmen. Er schafft Zukunft.
Eine Organisation, die auch in schwierigen Zeiten stabil bleibt, ein System, in dem Menschen sicher arbeiten können und ein Unternehmen, das nicht von einzelnen Personen lebt, sondern von einer gemeinsamen Kultur, klaren Prozessen und verantwortungsvoller Führung.
Mein Appell an alle Geschäftsführer und Führungskräfte ist daher, sich einmal selbst die Frage zu stellen:
Kann dein Unternehmen bzw. Team morgen ohne dich funktionieren?
Falls die Antwort "Nein" lautet, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, daran etwas zu ändern - nicht erst dann, wenn eine Krise eintritt, sondern solange du die Möglichkeit hast, sie zu verhindern.
Möchten Sie auch Ihr Unternehmen krisensicher und zukunftsfähig aufstellen?
Ich begleite Unternehmen dabei, tragfähige Organisationsstrukturen aufzubauen, Verantwortlichkeiten sinnvoll zu verteilen und Führung so zu entwickeln, dass Teams eigenständig, resilient und leistungsfähig arbeiten können.
Wenn Sie Ihr Unternehmen langfristig stabil, handlungsfähig und unabhängig von einzelnen Personen gestalten möchten, freue ich mich auf Ihre Nachricht.
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